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Smithsonian, der weltweit größte Museumskonzern, macht sich Gedanken über die eigene Zukunft. Ganz im Sinne des Social Web wird da nicht einfach so eine Strategie entworfen und dann umgesetzt, sondern man fragt diejenigen, für die die ganze Arbeit ist, die BesucherInnen.

“where do you see the Smithsonian’s museums and websites going in the future? How can we make education more relevant to you in a digital age?”

lauten die Fragen, die in Form eines Videos auf YouTube verbreitet werden.

Wollen Sie darauf antworten, dann sollten Sie auch das Videoformat nutzen und Ihre Ideen z.B. per Webcam oder per Handycam aufnehmen und als Videoantwort in die entsprechende Gruppe auf YouTube stellen. Ergänzend dazu gibt es ein eigenes Wiki, in dem noch einmal ausführliche Informationen zum Projekt und auch zum Prozedere zu finden sind.

Mir gefällt die Idee. Auf dem New Curator Blog, wo ich auch auf diese Aktion aufmerksam geworden bin, wird kritisiert, dass Antworten nur im Videoformat möglich seien. Ich denke auch, dass das eine Hürde darstellt und sich die Beteiligung dadurch wahrscheinlich in Grenzen hält. Aber seine Kunden zu fragen, wie sie die Zukunft des Hauses sehen, das ist eine Idee, die eigentlich fast alle Kunst- und Kultureinrichtungen nachmachen können.

Auch so lässt sich die Fassade eines Museums nutzen:

via New Curator Tumblr

Auf dem New Curator Blog habe ich ein sehr interessantes Video gefunden, das zeigt, wie sich mit Hilfe der uns zur Verfügung stehenden Technologien die Vergangenheit rekonstruieren lässt. Die Überschrift “Augmented Reconstruction” trifft es, denke ich, recht gut. Aber sehen Sie selbst:

Vor allem für archäologische Museen ist das ein spannender Ansatz, wie Pete im New Curator Blog schreibt. Das Video zeigt ein Beispiel aus den Niederlanden. Kennt jemand noch andere Museen, die in diese Richtung experimentieren?

In einem Theater schnell mal ein Bild mit dem Handy zu machen ist in der Regel verboten. Man kann also keine Empfehlung im eigenen Blog mit einem Bild untermalen, oder im Gespräch mit Freunden das tolle Bühnenbild zeigen. Ich würde mir wünschen, dass dieser sinnloser Verbot, der bedingungslosen Erlaubnis überall weichen würde.  

Curiosity Shop

Eine gut funktionierende Infrastruktur, zu der auch die entsprechenden Geschäftslokale und Dienstleister gehören, sind die Voraussetzung dafür, dass eine Stadt bzw. ein Stadtteil sich entwickeln kann. Was passiert, wenn diese Geschäfte plötzlich nicht mehr existieren, kann man immer wieder erleben. Die Gegend wird unattraktiv und damit setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang, die nur schwer wieder zu stoppen ist.

Auf der anderen Seite ist es eine Tatsache, dass wir in vielen Museen immer nur die Spitze des Eisbergs in den Ausstellungen sehen. Unzählige Kunstgegenstände lagern in den Depots, ohne Chance, jemals von uns entdeckt zu werden.

Bernd Röthlingshöfer hat auf seinem Blog eine interessante Idee entdeckt, die Möglichkeiten eröffnet, beide Probleme gleichzeitig zu lösen. In seinem Blogpost “Was tun gegen leerstehende Ladenlokale? Curiosity Shops einrichten!” berichtet er von einem Projekt aus England. Dort zieren nicht mehr leere Plakate aufgelassene Geschäftslokale, sondern originelle Wanderausstellungen von Museen. Wie so etwas aussehen kann, beschreibt ein Artikel auf 24HourMuseum, der Bernd Röhtlingshöfer zu seinem Beitrag inspiriert hat.

Curiosity Shops gibt es in England zwar schon seit einiger Zeit, bis zu uns hat sich die Idee leider noch nicht herumgesprochen. Ich gehe hier in Wien fast jeden Tag an einigen Lokalen vorbei, die leerstehen und darauf warten, wieder genutzt zu werden. Wäre das nicht mal was?

Kulturblogger Christian Holst hat vor einiger Zeit eine ganz interessante Serie gestartet, in der er über Best Practice-Beispiele aus dem Kunst- und Kulturbereich berichtet. So ganz entfernt von der Grundidee dieses Blogs ist er damit nicht und daher möchte ich gerne sein letztes Beispiel, die Kulturdatenbank, aufgreifen.

In Berlin hat man so Christian Holst, die Qual der Wahl, wenn man dort einen Theaterabend verbringen will. Ein Glück, dass es einen Online-Theaterspielplan gibt, der einen dabei unterstützt, nicht den Überblick zu verlieren.

Eigentlich ist diese Datenbank eine feine Sache, denn ich kann mich dort schnell darüber informieren, wann wo was läuft. Ein Problem bleibt dabei allerdings: manche Titel und Inhalte sagen mir nicht viel, was schade ist, denn unter Umständen verpasse ich so einen genialen Theaterabend.

Wenn man jetzt bei diesem Online-Theaterspielplan als UserIn unten einen Kommentar einfügen könnte, dann hätten andere die Möglichkeit, sich an diesen “Bewertungen” zu orientieren. So wie bei Amazon oder auch bei den Hotelbewertungsplattformen.

Die Gefahr, dass unsachliche Kritik potenzielle BesucherInnen vom Besuch abhält, schätze ich eher als gering ein, denn wir sind mittlerweile dazu in der Lage, zwischen konstruktiver und völlig unsachlicher Kritik zu unterscheiden. Vielleicht traut man sich in Berlin ja an eine solche Erweiterung des Angebots heran? Dann könnten wir dieses Angebot hier im Blog empfehlen und die BesucherInnen könnten auf der Website ihre Empfehlungen loswerden. Also Empfehlung auf zwei Ebenen. :-) Das wär doch was, oder?

Nicht nur wir hier auf der Ideenbörse machen uns Gedanken darüber, was Kultureinrichtungen machen können, um beim Publikum Punkte zu sammeln. Auf den Online-Seiten von The Stranger, einem ganz interessanten amerikanischen Magazin, habe ich den Beitrag “Ten Things Theaters Need to Do Right Now to Save Themselves” gefunden.

Darin finden sich zehn Ideen, mit deren Hilfe das Theater überleben könnte, so Brendan Kiley. Angetan hat es mir der zweite Punkt:

“Tell us something we don’t know.”

Statt die meiste Zeit auf alte Stücke zu setzen, fordert Kiley dazu auf, neue Stücke zu spielen:

“Every play in your season should be a premiere—a world premiere, an American premiere, or at least a regional premiere.”

Und alle können dazu beitragen, die Intendanten, die Regisseure, die Schauspieler bis hin zu den Kritikern. Wie sieht es mit Ihnen aus? Wünschen Sie sich auch mehr neue und aktuelle Stücke? Oder können Sie vielleicht sogar ein Theater empfehlen, das sich ganz den zeitgenössischen DramatikerInnen verschrieben hat?

Das ist schon witzig. Da gibt es ein Museum, das die neuen Technologien auf sehr spannende Weise für die Kunstvermittlung einsetzt und eigentlich gar nicht weit entfernt ist. 400 Kilometer etwa, also genau die Distanz von Wien nach Klagenfurt. Und wo erfährt man etwas darüber? In einem Blog aus UK, das sich New Curator nennt und sich mit sehr spannenden Themen beschäftigt, zum Beispiel mit Augmented Reality.

Die Rede ist vom Landesmuseum Kärnten, das den jüngeren BesucherInnen eine High-Tech-Schatzsuche anbietet, aber sehen sie selbst:

Toll gemacht vom Team der Studierstube.

Brooklyn Museum

Jugendliche für einen Museumsbesuch zu begeistern ist eine echte Herausforderung. Meist fällt den Museen nichts anderes ein als ein neues Kunstvermittlungsprogramm. Was aber können Museen überhaupt tun, um Jugendliche in ein Museum zu locken? Nina Simon hat sich schon Ende 2007 auf ihrem Blog Museum2.0 die Frage gestellt, wie denn Membershipprogramme aussehen müssten, um neue Zielgruppen für die Museen zu gewinnen? Einer ihrer Vorschläge lautete damals:

“Provide a peer-to-peer social environment for members.”

Diese Idee versucht seit Jahresbeginn das Brooklyn Museum umzusetzen und bietet mit 1stfans ein Membershipprogramm an, bei dem der Social-Networking-Gedanke im Vordergrund steht:

“Traditionally, museum memberships involve one-way communication between the institution and the donor. With the introduction of 1stfans, (Shelley) Bernstein and (Will) Cary intend to foster free-flowing conversations and relationships between members themselves as well as museum staff and artists”,

schreibt Maryann Devine, der ich diese Entdeckung zu verdanken habe, auf ihrem Blog smARTs & Culture. Wie es sich für die internetaffine Zielgruppe gehört, kann man entweder auf einem Blog nachlesen, worum es bei 1stfans geht. Oder man schaut sich einfach ein paar Videos auf YouTube an. Zum Beispiel dieses hier, das über ein neues Veranstaltungs-Format Target First Saturday berichtet.

Wer an diesen Events teilnehmen möchte, wird 1stfans-Mitglied und bezahlt dafür 20 USD. Nicht viel, denn neben den Offline-Goodies gibt es noch einige Online-Aktivitäten (Flickr, Facebook, Twitter), die den Mitgliedern exklusiv angeboten werden.

Mir gefällt dieser Ansatz, der mich an Adam Thurman erinnert, dessen Grundgedanken ich immer wieder gerne in meinem Kulturmanagement Blog aufgreife (siehe “Die Sache mit dem Content“). Thurman hat in einem Blogpost geschrieben:

“…people don’t want to connect to art . . . they want to connect to other people.”

Das heißt, Kultureinrichtungen sollten den Networking-Aspekt nicht vergessen. Häufig werden zwar Überlegungen angestellt, wie man die einzelnen Mitglieder noch enger an sich binden kann. Aber die Idee, dass sich, wie das Beispiel 1stfans zeigt, die Mitglieder untereinander vernetzen, die ist neu. Mal sehen, wann das erste Museum bei uns ein solches Experiment wagt?

Update: Nina Simon hat auf ihrem Blog Museum2.0 ein Interview mit Shelley Bernstein und Will Cary geführt, das viel mehr in die Tiefe geht als mein Blogpost hier. Sehr lesenswert!

Viele Ideen sind so einfach, dass sie kaum verfolgt werden. Was macht eine Einrichtung sympathisch und vermittelt mir als Besucher das Gefühl, ernst genommen zu werden? Die nähe zu den Machern ist es.

Es gibt z.B. kaum noch Theater, wo die Schauspieler in die Rollen der Getränkeverkäufer, Programmverkäufer, usw., vor und nach der Vorstellung schlüpfen. Die glorreiche Ausnahme bildet z.B. die bremer shakespeare company. Immer wenn ich deren Vorstellung besuche, habe ich die Möglichkeit mit den Schauspielern kurz zu sprechen, um mich zu erkundigen was mich erwartet. Sie stehen an der Kasse, an der Garderobe, verkaufen Getränke und sind immer für Fragen offen.

Mit den Beteiligten zu interagieren ist ein schönes Gefühl. Lässt sich auch sicherlich auf andere Medien ausweiten, wie die Duisburger Philharmoniker uns vormachen. Leider wird viel zu oft der Besucher als, der “mit-unserer-kunst-beglückte” betrachtet. Das bildet Hemmschwellen und ist für beiden Seiten unnütz.

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