ARG ist eine sehr junge Marketingmethode, die aus den USA kommt und in Deutschland erst einmal angewandt wurde. Sie gehört zu sogenanntem Viral-Marketing und richtet sich überwiegend an Multiplikatoren, wie zum Beispiel Blogger oder Podcaster. Eine sehr gute Internetseite zu dieser Methode findet Ihr hier. Die in Deutschland erstmalig, auf diese Art durchgeführte Promotion galt dem Krimiroman „Das Kind“ von Sebastian Fitzek. Die Beschreibung des Ganzen findet man hier und auf dem unten angehängtem Polylog-Video.
In ARG wird versucht Aufsehen zu erregen, indem man eine Art „Schnitzeljagd“ veranstaltet. Man liefert ausgewählten Personen einen Hinweis, der auf einen neuen Hinweis verweist, usw. Dabei müssen diese die Hinweise Entschlüsseln, Aufgaben lösen, usw. Um das Rätsel zu lösen, müssen sich die Akteure zusammen schließen, die Lösung findet immer in der reellen Welt statt. Man nutzt die Berichtserstattung der Beteiligten, um Interesse zu erwecken. In diesen Tagen startet ein Zweiter ARG-Versuch in Deutschland. Einige Podcaster und Blogger haben Umschläge (in Portugal abgeschickt) erhalten, in den sie diverse Gegenstände (Laubsäge, weiße Handschuhe) und eine Telefonnummer erhalten haben.
Ich könnte mir sehr gut vorstellen, diese Methode auch für das lancieren von Theaterpremieren (insbesondere, wenn es sich um Krimis handelt), neuer Ausstellungen, uvm. Da man hier sehr stark lokal bezogen arbeitet (da sich die Beteiligten treffen müssen), erreicht man auch hohe Mundpropagandawirkungen, neben der klassischen, medialen Berichtserstattung.
Update 18.10.: Das Video ist hier nicht zu sehen, der Link funktioniert aber.


Zugegeben, die Idee ist nicht blöd. Vielleicht sogar gut. Doch kann ich mir (noch) nicht vorstellen, dass das im Zusammenhang mit Kulturinstitutionen wie Theatern oder Museen funktionieren würde. Zum einen braucht es einige Manpower, um das ARG zu starten, was Kosten verursacht, die den Trägern dieser Kultureinrichtungen nicht zu vermitteln sein dürften. Zum Anderen ist das Gros der Besucher dieser Institutionen werbefeindlich (Sticks auf Pizzen dürften überwiegend als Spionageversuch gewertet werden) und überhaupt nicht webaffin genug, um sich solange an diesem Spiel zu beteiligen, dass es am Ende im Museum oder Theater landet.
Nette Idee, die nur funktioniert, wenn viel Geld oder viel Idealismus seitens der Initiatoren des Spiels vorhanden ist. Kulturinstitutionen haben meist jedoch nur wenig Geld für PR und oft auch nicht genug Idealismus, um auf diese Weise neue Besucherkreise zu erschließen. Die dort für das Marketing zuständigen Leute bekommen ihr Gehalt nicht dafür, dass sie in kreativer Weise nach neuen Besuchern suchen, sondern werden dafür bezahlt, dass sie möglichst viele Flyer, Plakate etc. produzieren. Schade eigentlich.
Das ist in der Tat ein riesiger Aufwand. Sicherlich nicht aus dem normalen Etat zu bewältigen. Jede Stadt, die derartige Einrichtungen hat hat aber auch Uni oder Hochschulen. Warum nicht eine Kooperation und ein studentisches Projekt daraus machen?
Weiterhin kann man hier Sponsoring anstreben, denn man kann die Geschichte um ein Unternehmen kreisen lassen, wo z.B. Freikarten für die Premiere, oder eine Voraufführung stattfindet.
Ich finde die Idee ziemlich faszinierend, allerdings geht man damit ein recht hohes Risiko ein, denn wenn die Idee nicht gut ist oder nicht gut rüberkommt, dann stinkt man damit ziemlich ab.
Aber wie heißt es so schön? No risk, no fun.
Nina Simon hat übrigens auf ihrem Blog Museum2.0 über ein Beispiel aus dem Museumsbereich berichtet. Sehr spannend. Vielleicht lohnt es sich ja, über so etwas für den Kunst- und Kulturbereich nachzudenken?
Die Werbeagentur VM People aus Berlin hat letztes Jahr im Dezember einen Krimiroman (“Das Kind” von Sebastian Fitzek) auf diese Weise beworben, einen schönen Bericht darüber gibt es bei Bernd Röthlingshöfer.
Ob so etwas “geschmackvoll” oder einfach daneben ist, darüber lässt sich streiten…
Aber es tun sich so einige neue Möglichkeiten auf, es lohnt sich bestimmt, in diese Richtung weiter zu denken.
[...] etwa dem erwähnten Regenschirm, bis hin zu komplexeren Methoden im Web 2.0, etwa dem Viralen Marketing, das Kultureinrichtungen stärker nutzen könnten, um auf ihre Angebote aufmerksam zu [...]