Jugendliche für einen Museumsbesuch zu begeistern ist eine echte Herausforderung. Meist fällt den Museen nichts anderes ein als ein neues Kunstvermittlungsprogramm. Was aber können Museen überhaupt tun, um Jugendliche in ein Museum zu locken? Nina Simon hat sich schon Ende 2007 auf ihrem Blog Museum2.0 die Frage gestellt, wie denn Membershipprogramme aussehen müssten, um neue Zielgruppen für die Museen zu gewinnen? Einer ihrer Vorschläge lautete damals:
„Provide a peer-to-peer social environment for members.“
Diese Idee versucht seit Jahresbeginn das Brooklyn Museum umzusetzen und bietet mit 1stfans ein Membershipprogramm an, bei dem der Social-Networking-Gedanke im Vordergrund steht:
„Traditionally, museum memberships involve one-way communication between the institution and the donor. With the introduction of 1stfans, (Shelley) Bernstein and (Will) Cary intend to foster free-flowing conversations and relationships between members themselves as well as museum staff and artists“,
schreibt Maryann Devine, der ich diese Entdeckung zu verdanken habe, auf ihrem Blog smARTs & Culture. Wie es sich für die internetaffine Zielgruppe gehört, kann man entweder auf einem Blog nachlesen, worum es bei 1stfans geht. Oder man schaut sich einfach ein paar Videos auf YouTube an. Zum Beispiel dieses hier, das über ein neues Veranstaltungs-Format Target First Saturday berichtet.
Wer an diesen Events teilnehmen möchte, wird 1stfans-Mitglied und bezahlt dafür 20 USD. Nicht viel, denn neben den Offline-Goodies gibt es noch einige Online-Aktivitäten (Flickr, Facebook, Twitter), die den Mitgliedern exklusiv angeboten werden.
Mir gefällt dieser Ansatz, der mich an Adam Thurman erinnert, dessen Grundgedanken ich immer wieder gerne in meinem Kulturmanagement Blog aufgreife (siehe „Die Sache mit dem Content„). Thurman hat in einem Blogpost geschrieben:
„…people don’t want to connect to art . . . they want to connect to other people.“
Das heißt, Kultureinrichtungen sollten den Networking-Aspekt nicht vergessen. Häufig werden zwar Überlegungen angestellt, wie man die einzelnen Mitglieder noch enger an sich binden kann. Aber die Idee, dass sich, wie das Beispiel 1stfans zeigt, die Mitglieder untereinander vernetzen, die ist neu. Mal sehen, wann das erste Museum bei uns ein solches Experiment wagt?
Update: Nina Simon hat auf ihrem Blog Museum2.0 ein Interview mit Shelley Bernstein und Will Cary geführt, das viel mehr in die Tiefe geht als mein Blogpost hier. Sehr lesenswert!




So sorry that I’m unable to write in German, but wanted to say thank you for quoting my blog. 1stfans is indeed a groundbreaking program, and it will be interesting to see what happens.
@Maryann Devine: Your blog is a great source for arts institutions finding new ideas to strengthen relationship to their audience. Thanks for the great job!
Der Mitmachaspekt ist sehr wichtig. Ich wollte hier auch schon mal eine Einrichtung aus Bremen beschreiben das Universum Bremen. Es macht nichts anderes als ein Museum, es präsentiert themengebundene Ausstellungen.
Der Unterschied zum herkömmlichen Museum ist, dass überall Alles angefasst werden darf, es gibt interaktive Elemente und Mitmachaktionen.
Das Universum Bremen ist so erfolgreich, dass erst im letzten Jahr die Ausstellungsfläche verdoppelt wurde. Viele Junge Familien investieren dort in Jahreskarten und nutzen diese Einrichtung an verregneten Wochenenden.
Das Modell Science Center finde ich sehr spannend, da können Museen sich einiges abschauen. Obwohl man ehrlicherweise hinzufügen sollte, dass es viele Museen gibt, in denen „Mitmachen“ schon seit Jahrzehnten möglich ist. Als Kind konnte ich z.B. gar nicht oft genug ins Deutsche Museum in München gehen, weil man dort viele Dinge einfach ausprobieren bzw. Abläufe verfolgen konnte. Auch wenn ich damals viele Dinge gar nicht verstanden habe, aber das Museum übte einen ungeheure Anziehungskraft auf mich aus.
[...] das Brooklyn-Museum mit seinem Membershipprogramm 1stfans, über das ich vor einigen Tagen in der Ideenbörse geschrieben habe (mehr dazu dort). Oder Late at Tate Britain, ein Format, das ebenfalls immer am [...]