Nicht nur wir hier auf der Ideenbörse machen uns Gedanken darüber, was Kultureinrichtungen machen können, um beim Publikum Punkte zu sammeln. Auf den Online-Seiten von The Stranger, einem ganz interessanten amerikanischen Magazin, habe ich den Beitrag „Ten Things Theaters Need to Do Right Now to Save Themselves“ gefunden.
Darin finden sich zehn Ideen, mit deren Hilfe das Theater überleben könnte, so Brendan Kiley. Angetan hat es mir der zweite Punkt:
„Tell us something we don’t know.“
Statt die meiste Zeit auf alte Stücke zu setzen, fordert Kiley dazu auf, neue Stücke zu spielen:
„Every play in your season should be a premiere—a world premiere, an American premiere, or at least a regional premiere.“
Und alle können dazu beitragen, die Intendanten, die Regisseure, die Schauspieler bis hin zu den Kritikern. Wie sieht es mit Ihnen aus? Wünschen Sie sich auch mehr neue und aktuelle Stücke? Oder können Sie vielleicht sogar ein Theater empfehlen, das sich ganz den zeitgenössischen DramatikerInnen verschrieben hat?



Hi, wir haben in 15 Jahren bei durchschnittlich fünf Produktionen pro Jahr ganze drei Stücke von toten Autoren gespielt: „Faust“ von Goethe, „Die Räuber“ von Schiller (schließlich sind wir das Autonome Goethe- und Schiller-Theater = AuGuST) und „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ von Dostojewski.
Jede vierte Produktion (mindestens) ist eine Uraufführung. Eine erkleckliche Anzahl waren Eigenproduktionen (also selbst geschrieben).
Fragt nicht nach Sonnenschein! Eigentlich will das Publikum nicht viel Neues sehen. Eher müssen bekannte AutorInnen her und griffige Titel und überhaupt.
Schon unser früherer Untertitel „Schaubühne für zeitgenössisches Theater“ wirkte abschreckend. Auch: „Intelligente Unterhaltung“ ist nicht so wahnsinnig anziehend (wegen des „intelligent“).
Aber ich bin gespannt, was andere so zu sagen haben.
Eine wichtige Anmerkung, vielen Dank dafür. Mich würde jetzt auch interessieren, was andere dazu sagen, denn wenn das die Realität ist, dann macht es wenig Sinn, zeitgenössische Stücke zu spielen.
Allerdings sehe ich das Problem, dass beim traditionellen Angebot die Zahl der BesucherInnen auch kontinuierlich sinkt. Die Frage wäre dann, ob man einen (langsamen, aber stetigen) Besucherrückgang in Kauf nimmt oder durch neue Angebote das Ruder herumzureißen versucht.
Was da die richtige Lösung ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Unter Umständen lässt sich eine solche Frage auch gar nicht pauschal beantworten.
Aber mal sehen, ob es auch andere Meinungen dazu gibt.
Hallo!
Interessantes Thema – ich möchte gerne ein Theaterstück schreiben – über ein Architekturbüro. Die Zustände, die toleriert und mitgetragen werden „von allen“ mal beschreiben, kritisieren und zum Nachdenken darüber anregen. Meines Wissens nach ein neues Thema im Theater …
Da ich noch nie ein Theaterstück geschrieben habe, macht mit der Tenor „tell us something new“ und „lebende Autoren“ Mut.
Schönen Gruß aus Berlin – Mara
Ein Problem in diesem Zusammenhang ist sicher die unterschiedliche Erfahrung, die Deutsche und Amerikaner mit zeitgenössischen Stücken machen. „Zeitgenössisch“ in der Kunst ist in Deutschland allzu oft ein Codewort mit der Bedeutung „nur für Eingeweihte“ und entsprechend zurückhaltend ist man bei diesem Etikett. Das ist in den USA einfach anders. Insofern glaube ich nicht, dass der Artikel auf deutsche Verhältnisse übertragbar ist.
Dazu kommt, dass die zeitgemässe dramatische Auseinandersetzung mit der Welt heute weitgehend in Film und Fernsehen stattfindet und dort Summen fließen, die das Theater herausragenden Dramatikern nicht anbieten kann.
Und zu guter Letzt ist das Neue nicht um seiner Selbst willen gute Kunst und mit Shakespeare oder Schiller muss es ein Zeitgenosse erstmal aufnehmen können.
@Mara: das klingt interessant und vor allem per Blog live bei der Entstehung des Stücks dabei zu sein, das erlaubt Einblicke, die man sonst wohl so nicht erhält. Ich hab Dein Blog gleich in den RSS-Reader gegeben und freu mich dabei sein zu können.
@Kulturblogger: ich muss gestehen, ich vermag das nicht einzuschätzen, wo zeitgenössische Stücke besser ankommen. Ich kann mich an eine Studie erinnern, in der das Opernrepertoire zwischen den USA und ich glaube Deutschland verglichen wurde. In den USA war das Publikum anscheinend sehr konservativ und bekam daher nur die altbekannten Opern vorgesetzt.
Recht hast Du aber auf alle Fälle mit der Feststellung, dass das Neue nicht um seiner selbst Willen gut ist…