In einem Theater schnell mal ein Bild mit dem Handy zu machen ist in der Regel verboten. Man kann also keine Empfehlung im eigenen Blog mit einem Bild untermalen, oder im Gespräch mit Freunden das tolle Bühnenbild zeigen. Ich würde mir wünschen, dass dieser sinnloser Verbot, der bedingungslosen Erlaubnis überall weichen würde.
Bildermachen? Aber gerne doch.
März 20, 2009 von Norbert Hayduk
Veröffentlicht in Theater | Verschlagwortet mit fotografieren | 19 Kommentare
19 Antworten
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stART.09
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In diesem Blog sammeln wir Beispiele und Ideen, die die Kulturwelt bunter und schöner machen. Hier geht es nicht um die künstlerische Leistung, sondern um das Drumherum, das Kulturbetriebe sympathisch und Besucher zufrieden macht. Etwas Schönes gesehen? Oder eigene Ideen? Auch Sie können mitmachen, mehr darüber HIER.-
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Aber vielleicht kann man zumindest den Besuchern anbieten, *nach* dem Stück / Konzert, eine Fotosession mit den Künstlern zusammen zu machen und anbieten, dass man in einemnachfassenden Blogeintrag all die Zuschauergenerierten Fotos / Blogeinträge verlinkt…
Steht Ihr manchmal selbst auf der Bühne?
Ja, als Veranstalter, der es mit Künstlern mit Lampenfieber zu tun hat. Gerade deshalb kann ich mir vorstellen, dass das Fotografieren während eines Stücks störend sein kann. Vor allem mit Mobiltelefonen (was rein psychologisch ist, weil man darin auch einen Störenfried vermutet).
Danach, wenn die Last des Auftritts von einem Künstler gefallen ist, sollte das aber wohl kein Problem sein, oder? Und auch die Künstler müssen sich doch vermarkten, um sich für Folgeauftritte bekannt zu machen. Wieviel Geld wird investiert in das Versenden von Demo CDs, Filmen etc.? Ein paar Fotos mit den Besuchern täte doch nicht weh.
Oder wie ist der der Kommentar „Steht Ihr manchmal selbst auf der Bühne?“ sonst tiefer zu verstehen? Haben Sie konkrete Vorschläge und Ideen, Frau Häberle?
Würde es stören, wenn man kurz ein Handy in die Hand nimmt? Es geht ja nicht um ein Blitzgewitter vor der Bühne.
Ich glaube nicht, dass das die Ursache des Verbotes ist. Eine Andere Lösung wäre auch, Fotomaterial unter einer CCC-Lizenz zum Download auf die Seite zu stellen.
Der konkrete Anlass dieses Beitrages war, dass ich mich letztens für eine Opern-Premiere akkreditieren ließ. In der Presse-Mappe war eine CD mit Bildern, die jedoch nicht benutzt werden durften! Ich hätte dem Fotografen ein Honorar zahlen müssen.
So hatte ich kein Bildmaterial für einen Beitrag und durfte selber es auch nicht erstellen.
@Alexander
Das hat sich jetzt überschnitten. Eben, mann könnte auch sagen , dass während der Vorstellung fotografieren verboten ist. Aber es grundsätzlich zu verbieten finde ich unsinnig.
Geht es um gute Fotos oder ums allgegenwärtige Knipsen?
Wer knipsen will, folgt innerlich nicht dem, was auf der Bühne geschieht.
Die Blitzerei stört andere in der Konzentration, vor allem die auf der Bühne.
Auf Erinnerungsfotos legen wir keinen Wert. (Nach der Vorstellung ist fast jede(r) Darsteller(in) derangiert („Maske verrutscht“, Kostüm derangiert) und für einen bestimmten Zeitraum nicht zurechnungsfähig. Vor einer Vorstellung hat er ab einem bestimmten Zeitpunkt Puls 180. Beide Zeiten sind fürs Knipsen ungeeignet.
Übrigens übe ich einen Beruf aus. Da möchte ich weder Rezensenten noch Fotografen vor mir haben, die nach dem Motto „ausgesucht“ sind: Wer will, der darf… Von mir wird professionelle Arbeit verlangt. Wenn ich die nicht dauernd bringe, ist irgendwann der Ofen aus – dann ist der Laden leer.
Wir machen Foto-Termine. Da kommt auch was bei raus. Selbst Profis haben Mühe, beim „Hineinfotografieren“ in laufende Aufführungen gutes Material zusammen zu bekommen. So ein Pressefotograf kann ja nicht wissen, wann es sich am meisten lohnt, „drauf zu drücken“.
Wer keine Presse-Fotos zur Verfügung stellt, ist selbst schuld.
Und wenn man Fotografen beschäftigt, die auf Honorare angewiesen sind, und deren Fotos in der Zeitung (im web) sehen will, muss man eben selbst die Fotografen honorieren – oder: auf die Veröffentlichung verzichten.(Wofür beschäftigt man dann Fotografen?)
Im übrigen haben wir noch nie kontrolliert, wer die von uns selbst produzierten Bilder runterlädt und woanders einsetzt. Und wer von uns Material anfordert, bekommt es.
Danke, das ist schon sehr aufschlussreich!
Diese Diskussion wird uns im Kulturbereich (ja, auch die Künstler selbst) mehr und mehr beschäftigen, je mehr der Kunde / Gast befähigt ist, Eindrücke aufzunehmen und auch zeitnah im Netz zu veröffentlichen. Es stellt sich für mich die Frage, inwieweit es überhaupt möglich sein wird, bei der sich ändernden Mentalität / Gesellschaft, solche ad hoc Fotos zu verhindern. Ich denke der Trick wird sein, die Weichen so zu stellen, dass man – auch im eigenen Interesse – eine für alle Seiten bestmögliche Situation schafft (wenn nicht immer die jeweils Beste für den einen).
Bei der Schilderung (nur „gestellte“ bzw. freigegebene Fotos) kam mir etwas schelmisch folgender Gedanke in den Sinn: unsere Hotelgäste dürften dann nicht mehr selbst in den Hotelzimmern fotografieren und diese Fotos veröffentlichen, sondern nur noch von uns gestellte Bilder verwenden. Es könnte ja sei, dass sich das Zimmer nach dem Bewohnen optisch nicht mehr von der besten Seite zeigt…
Aber im Gegenteil: wenn man Kultur nicht im rein elitistischen Sinne machen / leben / zeigen will (und den Gast auch als Kunden sieht) so ist doch das Potential der Weiterempfehlung durch fotografierende Gäste / Zuschauer ein großes (finanzielles und geistiges) Kapital. Das Mitteilen von Erfahrungen scheint ein Grundbedürfnis zu sein. Dies mittels der jeweils aktuell möglichen Technik zu tun (Fotohandy, livestreaming video etc.) ist der logische nächste Schritt.
Die Frage ist: wie schaffen wir eine Kultur in der dies in einer für alle beteiligten Personen bestmöglichen Art und Weise geschieht? Das schließt ja nicht aus, dass der professionelle Fotograf nicht auch noch zum Zuge kommt. Ich denke die Konsumenten von Bildern, die ja mehr und mehr zu Produzenten von Bildern werden, können schon zwischen guten und weniger guten Bildern unterscheiden. Manchmal will man jedoch nur die Stimmung einfangen und weitergeben, oder dokumentieren. Und das „objektive Bild“ kann es ja sowieso nicht geben.
Also – wenn Du um die 150 Mal im Jahr auf der Bühne stehst, und bei jeder Vorstellung jede(r), der / die Lust hat, fotografiert, ist das pro Abend ein ungeheuer störendes Moment, da jede(r) was anderes knipsen will.
Wir arbeiten mit „Lichtstimmungen“ (!), wenn jede Stimmung durch Blitze (und die werden nicht abgestellt) gestört wird, dann stimmt es nicht mehr.
Wir vkriegen es ja mit Mühe hin, dass Mobiltelefone ab- oder wenigstens leise gestellt werden. Es klingelt immer mal wieder eins, das wird nicht gefunden … der oder die Angerufene „hebt“ ab, fängt an zu telefonieren, stöckelt aus dem Parkett.
Auf der Bühne stehen keine Maschinen, sondern Menschen, die darauf trainiert sind (zu) zu hören.
Guckt Euch mal an, was in den einschlägigen Portalen an optischem und akustischem Müll kursiert. Das wirkt im Sinne von Werbung eher kontraproduktiv.
Ich habe jahrelang selbst auch vor Bühnen gearbeitet, vor allem bei Pop- und Rockkonzerten, dabei nicht nur als Rezensent, sondern auch oft als Fotograf. Manche Macke der Veranstalter / Künstler habe ich nicht verstanden und auch nicht ertragen. Ich habe mich bei einem Prince-Konzert nicht wegschließen lassen, lieber auf ein Foto verzichtet und das Ganze glossiert. Ich kenne aber auch die Chose, Fotos bei den ersten drei Titeln zu erlauben, dabei das Licht fast auszulassen und Fotos übers Merchandising auch an Journalisten verhökern zu wollen. Ich bin auch nicht einverstanden mit mancher Machenschaft zum Beispiel im Bundesliga-Fußball.
Aber das Knipsen bei Vorstellungen mag ich halt nicht.
Interessante Frage, die sich, so denke ich, nicht eindeutig beantworten lässt. Ich denke, es gibt künstlerische Veranstaltungen bzw. Ereignisse, bei denen es kein Problem sein sollte, dass die BesucherInnen ihre Fotos schießen. Beispiel Museen.
Auf der anderen Seite gibt es Veranstaltungen, bei denen es störend ist, wenn zwischendurch jemand zu fotografieren beginnt. Nicht nur für die KünstlerInnen, sondern auch für das Publikum. Oper und Theater fallen für mich in diese Kategorie.
Eigentlich sollte das ja gar kein (Streit)-Thema sein, denn ist es nicht im Grunde genommen selbstverständlich, dass man während einer Arie nicht anfängt Fotos zu machen? Der gesunde Menschenverstand sollte doch eigentlich in der Lage sein, da die richtige Entscheidung zu treffen.
Dem ist aber nicht so und daher kann ich den Standpunkt von Luise Häberle sehr gut nachvollziehen. Es gibt nichts, was es nicht gibt und da würde irgendwann die Kunst außen vor bleiben, wenn man hier keine Grenzen ziehen würde.
Aber ehrlich gesagt muss ich als Besucher einer Opernaufführung, eines Theaterstücks ja nicht nur Bilder der Aufführung schießen, sondern es geht mir doch darum, die ganze Atmosphäre einzufangen. Und die kann ich nicht dadurch einfangen, indem ich das Geschehen auf der Bühne abfotografiere. Diese Bilder sind dann eh meist langweilig.
Kultureinrichtungen und Fotos für den Medienbereich sind dann noch mal ein anderes Thema. Wenn man bedenkt, wie wichtig Fotos für die Medien geworden sind, dann kann man sich über die Serviceleistungen mancher Kultureinrichtungen nur wundern.
@ Danke fürs Verständnis. Man wird so gern als elitär und arrogant eingeschätzt. Das wollen wir keinesfalls sein. Aber manches geht eben nicht. Selbstschutz, Selbsterhaltungstrieb…
Für kleinere Unternehmen (von freien Künstlern betriebene Bühnen ohne eine einzige Stelle technisches Personal) ist es auch im Hinblick auf das Bedienen der Medien schwer, alles zu erfüllen, was notwendig ist.
So muss man zum Beispiel als webmaster der eigenen Seite Fotos in mindestens zwei Größen parat halten, einmal als _kl.jpg-Version zum Beispiel und dann die große Version, die sich nach dem Draufklicken öffnet. Dazu muss das Foto erst einmal „geschossen“ und dann eben entsprechend präpariert werden. (Beispiel auf unserer website http://theater-neu-ulm.de)
In der web-Version muss dann das Foto (müssen die Fotos) an die online-Medien versandt und in den eigenen Blogs verwurstelt werden.
Die Printmedien brauchen dann noch eine druckfähige Version mit größtmöglicher Auflösung.
Hab ich was vergessen? Ja, für den newsletter braucht man dann noch ein mittelgroßes Foto mit möglichst geringer Datenmenge, weil manche(r) AbonnentIn nicht mit schnellem Datenzugang ausgestattet ist.
Und das mit den Fotos ist ja nur EIN Problem, eines von vielen.
Ja, das Fotografieren *während* der Auftritte finde ich ja auch störend (siehe meine Kommentare oben). Daher sollte den Besuchern ja von vorneherein eine Alternative geboten werden. Nicht ein reines Verbot, sondern ein „das bitte nicht, dafür dürfen Sie das…“.
Es wird eben in Zukunft eine Herausforderung auch für die Kunst sein, wie wir mit den sich verändernen Verhaltensweisen unserer Besucher umgehen, wie wir deren Wünsche gerecht werden und uns – auch im eigenen Interesse – derer Möglichkeiten der viralen Empfehlung bedienen können.
Hier hilft es sicherlich die Themen im Sinne von *Chancen* (im Gegensatz zu „Problemen“) anzugehen.
Als eine, die ebenfalls auftritt, kann ich Luise Häberles Position nur unterstreichen. Wer einmal auf einer Bühne stand, wird wissen, dass in dem Moment die Sinne übergeschärft sind (sein müssen) und jede Bewegung, jeder störende Ton wahrgenommen wird und schaden kann. Handys sind schon schlimm genug, wenn sie nicht abgeschaltet werden.
Diesbezüglich fällt mir die unterschiedliche Kultur auf – in deutschen Theatern erlebe ich neuerdings oft einen Ansager, der trotz Handyverbot eindringlich darum bitten muss, die Dinger wirklich abzuschalten. In französischen Theatern hängt irgendwo ein Schildchen – und es ist einfach mucksmäuschenstill. Das hat auch etwas mit der Achtung vor dem Künstler und dessen Arbeit zu tun.
Die Position der Fotografen kann ich auch verstehen: Wer von dieser Arbeit lebt, braucht Honorar. Der Bäcker verschenkt seine Brötchen auch nicht, nur weil einer nach dem Frühstück darüber bloggt.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass in Zukunft die Pressestellen neben den zu bezahlenden Profifotos von exzellenter Qualität auch ein gewisses Kontingent an Privat bereitstellen könnten, das man sich gegen einen Link von deren Website herunterladen könnte. Das würde doch auch die Website wiederum stärker an mögliche Kunden binden?
Und warum müssen das Fotos sein, die der Theaterfotograf von der Aufführung sehr viel besser machen kann? Warum keine Schnappschüsse von Proben, vom Bühnenaufbau, von den Arbeiten „dahinter“?
So etwas würde mich viel neugieriger machen als das, was am nächsten Tag in jeder Zeitung zu sehen ist. Und die Schauspieler stört es nicht derart massiv bei der Arbeit.
Ich kenen einige Theater, die solche Fotos neben den üblichen für die Presse zu Werbezecken machen – sie sind nur noch nicht auf die Idee gekommen, sie verbreiten zu lassen.
Bloß das nicht!
Ich möchte, dass sich weiterhin professionelle Fotografen mit besonders leisen Sucherkameras, weil selbst die schlagenden Spiegel der Spiegelreflex-Kameras im Theater- und Konzertbetrieb zu laut sind, ganz diskret um gute Fotos bemühen und damit ein faszinierendes Genre bereichern: die Theaterfotografie.
Und wenn die Fotografen das im Auftrag oder gar als Angestellte des entsprechenden Theaters machen, dann sollten die Fotos eben zur kostenlosen Nutzung bereit stehen. Sie werden ja in der Regel für Presse- und Werbezwecke erstellt, und wo erfüllen sie diesen Zweck besser als in einem Blog?
[...] Dass bei Theater- oder Opernaufführungen fotografierende Besucher als störend empfunden werden – sowohl von den Schauspielern als auch von anderen Besuchern, wurde in der Ideenbörse für das Kulturmarketing ausführlich diskutiert. [...]
ich schreibe mal als zuschauer: auch ich werde aus der konzentration gerissen, wenn im saal um mich herum fotografiert wird.
ganz störend: in dunklen sälen leuchtende bildschirme von digital-kameras oder nach dem schuss vom handy.
letztens saß ich in einer vorstellung der bregenzer festspiele und der mensch vor mir hat permanent mit einer fetten spiegelreflex fotos „geschossen“. der hat die vorstellung nur durch die linse gesehen, ich war 3 stunden lang massiv gestört.
was auch um sich greift: kleine filmchen drehen, die dann (mit grauenhafter qualität) auf youtube gestellt werden. abschreckend und möglicherweise geschäftsschädigend. weil nicht die qualität der kunst schlecht ist, sondern die aufnahme. die nimmt aber möglichweise der geneigte besucher als hilfsmittel zur beurteilung der qualität der vorstellung – und sieht doch nur die aufnahme eines amateurs.
imho: klare ansage: keine fotos, keine filme, keine sms und kein twitter – eben nichts, was andere zuschauer und die künstler aus der konzentration reissen kann…
Womit wir uns nun nach fast nach 8 Monaten „Diskussion“ einig sind: lasst die Kamera zuhause. Kunst und Kultur will nicht aufgezeichnet, gefilmt und verfälscht werden. Und vor allem nicht gestört werden. Es ist schließlich ein elitäres Erlebnis. Wer dafür zahlt, will unabdingbare Ruhe. Kann ich voll verstehen. So schaffen wir auch für den jeweiligen Auftritt einen Mythos; Vielleicht.
@HG: Theaterfotografie gut und schön, nur gibt es halt sehr viele Veranstaltungen, wo kein Fotograf vorbeischaut.
@rgl: klar, niemand hat gefordert, dass während einer Opernarie fotografiert, gefilmt, etc. werden sollte.
Das Thema Qualität ist aber interessant: ich glaube nicht, dass ein amateurhaft gemachtes Video geschäftsschädigend ist. Ganz im Gegenteil, solche Aufnahmen wirken häufig wesentlich authentischer als qualitativ hochwertige, aber dafür unpersönliche Bilder Filme.
@Alexander van Halem: auf der anderen Seite sind es aber gerade die Bilder, die Interesse wecken. Pressetexte haben mich noch nie „verführen“ können, Bilder und Filme schon…
@Christian ja, und ich teile Deine Meinung, dass gerade die *amateurhaften* Bilder (auch bewegte BilderI am ehesten authentisch sind und Emotionen transportieren können.