Vor einiger Zeit stellte die Stuttgarter Zeitung eine Kooperation zwischen Kunst und Sozialsektor vor. Das Projekt “Loony Design” , bei dem Kunststudenten der Stuttgarter Kunstakademie ungewöhnliche Alltagsgegenstände entwerfen, die von psychisch Kranken in sechzehn Behindertenwerkstätten produziert werden. Das Projekt bringt beiden Seiten Vorteile.
Die Behindertenwerkstätten litten unter einem Auftragsrückgang, weil vieles von dem, was sie ansonsten für die Industrie herstellten, in billiger produzierende Länder verlagert wurde. Und andererseits viele der üblichen Produkte die psychisch Kranken zu wenig forderten, was sich mit Loony Design nun verändert hat: „Statt immer nur zu basteln, Mandalas zu malen und Blumenampeln aus Makramee zu knüpfen, fertigen sie Designerware, die man nicht aus Mitleid, sondern aus Lust kauft“ (C. Keck, StgtZ, 25.11.09).
Die Kunststudenten ihrerseits haben die Chance “verrückte” Dinge zu entwerfen, die auch umgesetzt und verkauft werden. Die enge Kooperation mit den psychisch Kranken empfinden viele als Bereicherung ihrer Perspektive (s. Projekt-Webseite). Und sie freuen sich natürlich, dass sie mit ihren Entwürfen die Arbeit der Menschen in den Behindertenwerkstätten aufwerten und interessanter machen können.
Insgesamt ein schönes Beispiel dafür, was sich so ergeben kann, wenn man als Institution die üblichen Pfade und Gewohnheiten verlässt uns sich auf die Suche nach ganz anderen Kooperationspartnern macht. Bestimmt gibt es noch mehr Beispiele dafür, wie Kunst die Grenzen zu anderen Sektoren – wie dem Sozialbereich – überschreiten und neue Erfahrungen sammeln kann.
Die Autorin: Dr. Brigitte Reiser ist Beraterin und Bloggerin mit dem Schwerpunkt gemeinnützige Organisationen, Social Media und Stakeholder-Management


