Wer gedacht hat, dass Andreas Blühm, Direktor des Wallraf/Köln, sich beleidigt in die Schmollecke zurückzieht, nachdem man dem Wallraf und allen anderen Kultureinrichtungen Kölns mal rasch 12,5 % des Etats gestrichen hat, damit der neue Bürgermeister sich in Form eines neuen Schauspielhauses verewigen kann, der hat sich getäuscht. Die angekündigte Stradivari-Ausstellung muss nun verschoben werden. Schade! Doch statt zu jammern und zu klagen, was im Rheinland ohnehin nicht gut ankommt (Alaaf!), zaubert Blüm sofort Plan B aus der Schublade und lässt die Museumsbesucher dabei zusehen, wie ein Gemälde restauriert wird. Ich bin mir sicher, der hat auch noch Plan C auf dem Nachttisch liegen – und zusätzlich ein Augenmerk auf die Leitung eines anderen Museums außerhalb Kölns. [Kölner Kulturpolitik ist wirklich gnadenlos dämlich. Hier wird nicht Leistung belohnt, sondern Anämie und Unterwürfigkeit. Dazu an anderer Stelle demnächst mehr.]
Doch das Wallraf geht weiter und zeigt anderen Kunstmuseen, wie man heute ein Kunstmuseum bespielt. Warum werden Besuchern eigentlich nicht häufiger die einzelnen Arbeitsbereiche eines Museums vorgestellt? Vollends begeistert werde ich allerdings erst dann sein, wenn Andreas Blühm und andere Museumsdirektoren die Besucher in den Planungsprozess von Ausstellungen einbeziehen. In die Themenwahl und die weitere Ausgestaltung einer Ausstellung. Warum keinen Kinder- und Jugendlichen-Beirat einrichten, der Hinweise darauf gibt, was die Youngsters sich in einem Museum wünschen? Warum kein Senioren-Gremium? Eine Frauengruppe? Einen Männerclub? Ich bin mir sicher, dass unsere Museen sehr anders aussähen, wenn kompetente Experten von der Besucherseite die Kuratoren und Direktoren unterstützen würden. Kinder, Alte und Gereiste. Menschen, deren Horizont weit über den Horizont hinausreicht, den ein einzelner Museumsdirektor haben kann.
DAS GEHT! DAS GEHT SOGAR SEHR GUT…. Wenn man Grips hat – und Größe……
Mehr Infos zum Wallraf hier und zu “Prometheus bekennt Farbe” an dieser Stelle.



Der Bericht macht Hoffnung, dass Museen sich irgendwann von toten, starren Häusern, in denen man zur Passivität verdammt ist, in etwas verändern, das lebt und pulsiert. Einen Einblick in die tägliche Arbeit wie in dem Restaurierungsbeispiel fände ich hochattraktiv. Ebenso die Möglichkeit, als Freund eines Museums stärker in einen Diskurs mit dem Haus eintreten zu können.
Langsam, ganz langsam beginnen sich ja einige Häuser zu wandeln. Was die Kunstmuseen betrifft, lohnt in Deutschland ja jetzt schon der Blick ins Städel oder das Wallraf. Klar, im Ausland ist man da an viele Stellen schon etwas weiter. Da aber unsere neuen Museumsdirektoren inzwischen oft Auslandserfahrungen haben, schwappen auch neue, frische Ideen in unser Land der Geizkrägen und Gierhälse fka Land der Dichter und Denker. Es besteht also Hoffnung.
Weniger Hoffnung habe ich in Bezug auf die kulturhistorischen Museen. Dort sehe ich noch nicht die Ansätze, die in die Zukunft führen könnten. Eher sehe ich Bankrotterklärungen in Form des Bemühens, sie nach dem Vorbild der Science Center in interaktive Spielhöllen umzuwandeln. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass mit der Kunst viel Geld umgesetzt wird. Mit Kulturgeschichte aber nicht. Am unteren Ende der Leiter, wo die Museumsdirektoren sitzen, drückt sich das dann auch so aus, dass der Direktor eines Kunstmuseums eher mal die Metropolen der Welt besuchen kann, als der Leiter eines Stadtmuseums. So wird ein Horizont weiter und der andere eben nicht. Himmel, wenn die Letztgenannten wenigstens ab und an aufmerksam (!) im Internet surfen würden, dann würden Sie ja vielleicht auch etwas lernen. Dooferweise steht dagegen, dass sie das Internet als etwas Suspektes empfinden und lieber jammern als Stadtdirektoren, Bürgermeister und Gemeindevorsteher mit faszinierenden Ideen zu konfrontieren. Geklauten Ideen aus dem Internet, z.B. von diese Seite hier.
Überhaupt: Viel zu lange schon ist ihnen das Geld auf den Kopf gefallen. Deshalb sind sie ja oft so bräsig und sehen nicht die Möglichkeiten, die sie eigentlich haben.
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